Backtesting und Rebalancing
Ein Backtest rechnet eine Strategie mit heutigen Zielgewichten rückwärts durch die Kurshistorie. Rebalancing stellt die Zielgewichte dabei regelmäßig wieder her. Das Ergebnis ist eine Simulation, keine reale Handelshistorie, und es kennt den Ausgang bereits.
- Buy and Hold
- Ohne Umschichtung driften die Gewichte mit dem Markt. Gewinner wachsen weiter, das Depot wird über die Jahre konzentrierter und meist offensiver, als ursprünglich gewollt.
- Jährlich bis halbjährlich
- Der übliche Rhythmus für private Depots. Er hält die Gewichte in der Nähe des Ziels, ohne nennenswerte Handelskosten zu erzeugen.
- Quartalsweise
- Enger am Ziel, dafür mehr Transaktionen. Ob sich das lohnt, hängt an Ordergebühren und Spreads deines Brokers.
- Häufig
- Der Zusatznutzen gegenüber quartalsweise ist historisch klein, die Kosten steigen linear mit. Bei kleinen Depots frisst die Ordergebühr den Effekt schnell auf.
So wird gerechnet
An jedem Stichtag: Bestände → Zielgewichte, dazwischen freier Kursverlauf
Ein Depot startet mit 60 % Aktien und 40 % Anleihen. Nach einem starken Aktienjahr hat sich das Verhältnis verschoben. Ohne Umschichtung trägt das Depot mehr Risiko als geplant.
- Start
- 60 / 40
- Aktien +25 %
- 65 / 35
- Nach 3 Jahren
- 72 / 28
- Nach Rebalancing
- 60 / 40
Was die Zahl nicht sagt
- Der Backtest kennt den Ausgang. Die heutigen Zielgewichte enthalten alles, was du inzwischen weißt. Eine Strategie rückwärts auf Positionen anzuwenden, die sich als gut erwiesen haben, ist kein Test, sondern eine Bestätigung.
- Nur Überlebende sind im Datensatz. Firmen, die insolvent wurden, und ETFs, die geschlossen haben, tauchen in der Kurshistorie nicht mehr auf. Jeder Backtest auf heute existierende Titel fällt dadurch systematisch zu freundlich aus.
- Steuern fehlen in der Regel. Jedes Rebalancing löst in Deutschland potenziell Abgeltungsteuer aus. In einem steuerfreien Modell sieht häufiges Umschichten deutlich besser aus als im echten Depot.
- Rebalancing ist keine Renditequelle. Es hält vor allem das Risikoprofil stabil. Ob es zusätzlich Rendite bringt, hängt davon ab, ob die Anlageklassen zwischenzeitlich zueinander zurücklaufen. In langen Trendphasen kostet es Rendite.
Verwandte Kennzahlen
So rechnet Evergrova
Die Backtesting-Seite vergleicht mehrere Strategien über dasselbe Zeitfenster, mit Endwert, eingezahltem Kapital, Rendite p. a., Volatilität, Sharpe, Maximum Drawdown, Calmar und der Anzahl der Rebalancings. Der Benchmark wird bewusst nicht rebalanciert.
Basis: simulierte Constant-Mix-Strategie mit heutigen Zielgewichten auf täglichen Renditen, keine reale Handelshistorie.
Demo-Depot ansehenHäufige Fragen
Wie oft sollte man rebalancen?
Historisch macht der Unterschied zwischen jährlich und quartalsweise wenig aus, während die Kosten mit der Häufigkeit steigen. Viele Anleger schichten einmal jährlich um oder erst, wenn ein Gewicht um mehr als fünf Prozentpunkte abgewichen ist.
Warum wird der Benchmark nicht rebalanciert?
Weil ein Index seine Zusammensetzung nach eigenen Regeln fortschreibt. Ihn zusätzlich auf feste Gewichte zurückzusetzen wäre eine andere Strategie und kein Vergleichsmaßstab mehr.
Was ist Constant Mix?
Eine Strategie, die die einmal gewählten Zielgewichte durch regelmäßiges Umschichten konstant hält. Sie verkauft automatisch das Gestiegene und kauft das Gefallene, ohne dass eine Markteinschätzung nötig wäre.
Zuletzt geprüft: 2026-08-08